CHILE UND ARGENTINIEN 2004

     

Plohberger Hans                   Martin Weinzirl   

8. Tag in Südamerika, 17. Dezember 2004

Der Perito-Moreno-Gletscher und der Fitz Roy   >>>nächsterTag Torres del Paine

Glaciar Perito Moreno: Zu den touristischen Highlights einer Argentinienreise gehört der Besuch des weltweit berühmtesten Gletschers, des Glaciar Perito Moreno. Überall auf unserem Planeten  befinden sich die Gletscher auf dem Rückzug und schmelzen langsam aber stetig ab. Nur der Perito Moreno ist bildet hier eine Ausnahme und gibt den Wissenschaftern damit einige Rätsel auf. Nach neuesten Erkenntnissen dürfte dieses Phänomen seine Ursachen in den am Gletscherrand verlaufenden Bächen von Schmelzwasser haben, die die gesamte Eisfläche wie eine Schnecke gleiten lassen. Durch vulkanische Tätigkeit hervorgerufene wärmere Stellen im Boden begünstigen diesen Prozess. Die Gletscherzunge erhebt sich 60 bis 80 Meter hoch aus dem Lago Argentino. In deren Mitte misst man einen täglichen Schub von 2 Metern, am Rand immerhin noch von 35 Zentimetern. So verformt sich der Perito Moreno langsam und fliesst mit einer Geschwindigkeit von 400 bis 450 Metern im Jahr bergab.
La Ruptura - ein weiters Phänomen beim Perito Moreno:
Durch den ständige Gletschervorstoß erreichen die Eismassen alle paar Jahre das gegenüberliegende Ufer des Canal de los Témpanos (Eisbergkanal). Dann trennt der Gletscher den nördlichen und südlichen Teil des Lago Argentino voneinander. Da der Lago Argentino über den nördlichen Teil entwässert und auch in den südlichen Teil einige Flüsse, Bäche und Gletscher hineinfließen, verursacht die temporäre Staumauer aus Eis einen Pegelunterschied von über 30m auf den beiden Seiten der Blockade. Der dadurch erzeugte Druck des Wassers, verstärkt durch die Eisschmelze im Sommer, wird dann so stark,  dass die Eisbarriere förmlich explodiert. Fernsehteams und Wissenschafter, aber auch Touristen aus aller Welt reisen zu diesem Naturspektakel an. Ein gefährliches Schauspiel, auf spanisch La Ruptura genannt. Riesige Eisbrocken schießen dann wie Geschosse mit ohrenbetäubendem Getöse in den Lago Argentino und werden von den sich entladenden Spannungen hunderte Meter weit durch die Luft geschleudert. Seit 1960 sind durch solche Ereignisse über 30 Todesopfer zu beklagen. 1970 blockierte der Gletscher nicht nur den Kanal, sondern stieß auch bis in den Wald hinter der jetzigen Aussichtsplattform vor. Im März 1972 stand das Wasser auf der Südseite 37 Meter über dem Normalzustand. Der enorme Druck führte schließlich in einem gewaltigen Durchbruch. Ein 170 Meter breiter und 40 Meter hoher Tunnel öffnete sich und das gestaute Wasser schoss mit 8.000 Kubikmetern pro Sekunde heraus.  Die vorerst letzte Ruptura geschah im März 2004. 

Eine Ruptura sehen wir heute zwar nicht, dennoch ist der Anblick des Perito Moreno Gletschers für uns ein einmaliges Erlebnis. Wir hören das Krachen des abbrechenden Eises in den vielen Spalten und Rissen und können auch beobachten, wie ein hausgroßer Eisblock mit lautem Getöse ins Wasser fällt. Über eine Stunde wandern wir auf der Aussichtsplattform umher. Dann müssen wir wieder zurück nach El Calafate, schließlich wollen wir ja noch einen Abstecher zum Fitz Roy unternehmen. 

Fitz Roy war der Name des Kapitäns der Beagle, jenes Forschungsschiffes, mit dem Charles Darwin um 1835 diese Gegend hier erkundete. Nach ihm ist der Berg und auch eine Stadt in Argentinien benannt. Also machen wir uns auf den Weg nach Chalten am Fuße des Fitz Roy. Von der Straße aus sehen wir den Gletscher beim Lago Viedma. Nach gut zwei Stunden Autofahrt (ca. 190 km) von El Calafate sind wir in Chalten. Bergsteiger, Jogger  und wieder Bergsteiger. Kaum jemand ist hier ohne Rucksack und Bergausrüstung unterwegs. Den Fitz Roy verhüllen heute jedoch Nebel und Wolken. Was uns noch auffällt: Kaum ein Auto ohne verbogene Stoßstangen, verbeulte Karosserie oder fehlende oder zerbrochene Scheinwerfer. Von Chalten aus unternehmen wir noch eine kurze Wanderung, die jedoch bald im felsigen Gelände oberhalb eines Flusses endet. Ein Weitergehen mit unserem leichten Schuhwerk wäre zu gefährlich. Wir fahren daher mit dem Auto noch ein Stück auf einer steinigen Bergstraße weiter, machen unterwegs Rast, um noch die letzten aus Österreich mitgebrachten Cabanossi zu verzehren, und gelangen schließlich zu einer Brücke, neben der ein Fußweg entlang eines Baches abbiegt. Auf diesem Weg marschieren wir weiter, bis einsetzender kalter Nieselregen uns auch hier umkehren lässt. Es ist schon dunkel, wenn wir wieder nach El Calafate zurück kommen. 

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1-Lago Argentino und Perito Moreno-Gletscher  2-Perito Moreno  3-Ein Eisblock stürzt in den See  4-Perito Moreno 5-Gletscher am Lago Viedma 6-Sonnenuntergang in Patagonien

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© Arvid Puschnig, Hosteria Outsider, Puerto Varas, Chile, San Bernardo 318, Tel. +56 65 232910